Sie befinden sich hier

Provenienzforschung

Provenienzforschung, d. h. die Erforschung von Herkunft und Besitzgeschichte von Sammlungsobjekten, ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger für Kulturinstitutionen geworden. Dies betrifft vorrangig NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut, aber ebenso kriegsbedingt verlagerte Objekte, Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR sowie Objekte aus kolonialen Kontexten.

Die Provenienzforschung wirft für viele nichtstaatliche Museen ernstzunehmende Probleme auf: Besonders – aber nicht nur – kleinere Museen stehen oft vor finanziellen wie personellen Engpässen, wenn mit dem Umgang mit diesem Kulturgut neue Aufgabenfelder verbunden sind. Es ist der Landesstelle wichtig, allen nichtstaatlichen Museen in Bayern diese komplexe Aufgabe näherzubringen und sie auf dem Weg der Provenienzforschung zu begleiten. Falls sich ein Anfangsverdacht bestätigt, können die Museen einen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste stellen. Eine Förderung durch die Landesstelle ist ebenfalls möglich.

Zu den Förderrichtlinien »

Themenportal Provenienzforschung

Auf dieser Unterseite finden Sie weiterführende Informationen und Hilfestellungen rund um das Thema Provenienzforschung.

Mehr Infos »

Pilotprojekt Kulturgutentziehungen in SBZ/DDR

In dem bei der Landesstelle angesiedelten Grundlagenforschungsprojekt in Kooperation mit der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste soll die Ankaufspraxis bayerischer Kunsthändler und Museen zwischen 1945 und 1990 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR erkundet werden. Damit ist der Freistaat Bayern eines der ersten "alten" Bundesländer, das sich der Aufklärung dieser Fragen zuwendet. Zur Erhebung erster Fallzahlen führte die Landesstelle daher bis zum 15. September 2021 eine Onlineumfrage in den bayerischen nichtstaatlichen Museen durch.

Mehr Infos zum Pilotprojekt »

NS-Erstcheck Provenienzforschung

Mit dem NS-Erstcheck unterstützt die Landesstelle seit 2016 nichtstaatliche Museen bei der Erforschung ihrer Sammlungsbestände. Im Mittelpunkt steht eine Dokumentation der Erwerbsumstände von zwischen 1933 und 1945 in die Sammlungen gelangten Objekten. Dabei werden die Projektmitarbeiter*innen vor Ort in den jeweiligen Museen tätig und helfen bei der Erschließung der Geschäftsunterlagen, Eingangsbücher und Inventare auf der Suche nach Hinweisen auf belastete Objekte. Sollte sich dabei die Notwendigkeit von tiefergehenden Nachforschungen ergeben, unterstützt die Landesstelle zudem bei der Antragsstellung für eine eigenständige Provenienzuntersuchung bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Christine Bach.

Zur Forschungsförderung der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste »

Beschlagnahmt, verkauft, versteigert – jüdisches Kulturgut in den nichtstaatlichen Museen in Franken

Das Projekt näherte sich nichtstaatlichen Museumsbeständen in Franken mittels externer Archivalien. Als Quellengrundlage wurden gemeinsam mit dem Staatsarchiv Würzburg etwa 5.000 Würzburger Gestapo-Personenakten tiefenerschlossen, die Informationen zur Enteignung rassisch Verfolgter und der Verwertung ihres beschlagnahmten Besitzes enthalten. Dabei handelt es sich zumeist um Kunsthandwerk, persönliche Wertgegenstände oder einfachen Hausrat. Das Projekt wurde von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste finanziell gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Germanischen Nationalmuseum und der Interessengemeinschaft für semantische Datenverarbeitung e. V. entsteht derzeit die WissKI-Datenbank Herkunft bekannt, die noch 2021 veröffentlicht werden soll. Hier können künftig die Namen der Geschädigten, die entzogenen Objekte und Versteigerungstermine recherchiert werden.

Zur Datenbank herkunftbekannt.de »

Museum heute 59, Projektbericht S. 58-60 (PDF, nicht barrierefrei) »

Jüdisches Eigentum in nichtjüdischen Haushalten – Herausforderung für die deutschen (nichtstaatlichen) Museen

Carolin Lange: Der Raub der kleinen Dinge. Belastetes Erbe aus Privatbesitz: Ein Leitfaden für Museen, Berlin/ München 2022

Das meiste verfolgungsrechtlich entzogene Kulturgut ist zwischen 1933 und 1945 nicht in öffentliche Institutionen gelangt, sondern in private nichtjüdische Haushalte. Hunderttausende oder gar Millionen Alltagsgegenstände – Bettwäsche, Essservice, Handtücher, Möbel oder Kleidung – wurden vor allem nach Beginn der Massendeportationen öffentlich versteigert. Das Forschungsprojekt untersuchte das Ausmaß dieses Phänomens und den Umgang der neuen Besitzerinnen und Besitzer bzw. deren Nachkommen mit ihren Erwerbungen. Zunehmend werden diese Objekte – vielfach anonym - an lokale Museen herangetragen. Die Gegenstände besitzen häufig eine hochbelastete Provenienz, was die Häuser vor Probleme und Herausforderungen stellt. Gleichzeitig sind private Familienerzählungen und Objekte eine echte Chance für die Museen, denn es geht explizit um Stadtgeschichte und deren Bezug zur lokalen Bevölkerung.

Museumsbaustein 22: Der Raub der kleinen Dinge. Belastetes Erbe aus Privatbesitz: Ein Leitfaden für Museen » 

Museum heute 54, Zwischenbericht S. 26f. (PDF, nicht barrierefrei) »

Kurzprojekt – Recherchen zur Objektsammlung "Berchtesgadener Bestand" im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München

Ziel dieses Projekts ist es, die Herkunft einer Objektsammlung in der Obhut des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) festzustellen und deren bislang unbekannten rechtmäßigen Eigentümer zu ermitteln. 1994 kamen 63 Gemälde, 1 Truhe und 4 bemalte Schränke aus dem Gesundheitsamt in Berchtesgaden als Leihgabe in das BLfD. Die Gemälde dieses sogenannten Berchtesgadener Bestands stammen aus dem Hotel "Berchtesgadener Hof", die Möbel aus weiteren Bauten am Obersalzberg. Neben der Objekt- und Vorbesitzrecherche scheint es sinnvoll, die Geschichte des "Berchtesgadener Hofs" genauer zu beleuchten.

Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern

Der Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern (FPB) wurde 2015 gegründet und dient der Vernetzung von Institutionen, die sich mit Provenienzforschung befassen. Die Landesstelle gehört zu den neun Gründungsmitgliedern. Inzwischen gehören dem Verbund 21 staatliche, städtische und private Einrichtungen an, die der Provenienzforschung auf verschiedene Weise verbunden sind.

Zur Website des FPB »

Zusatzinformationen

Provenienzforschung

Christine Bach M.A.
+49 89 21014048
Dr. Marlen Topp
+49 89 21014049

Telefonsprechstunde

Themenbereich: Provenienzforschung 

Jeden Dienstag, 10-12 Uhr

Um eine vorherige Terminabsprache mit Ihrer Ansprechpartnerin per E-Mail wird gebeten.