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Themenportal Nachhaltige Museumsarbeit

Angesichts der lokalen und globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert ist der Begriff der Nachhaltigkeit, seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio im Jahr 1992, zum zentralen Leitbegriff nationaler und internationaler Politik geworden. Museen können bei der Förderung von nachhaltiger Entwicklung einen Beitrag leisten. Für sie besteht die Aufgabe, ihre Arbeit mit Zielsetzungen im Sinne der Zukunftsfähigkeit zu durchdringen und ein daraus abgeleitetes nachhaltiges Handeln zu entwickeln und umzusetzen.

Waren schon früh die naturkundlichen Museen und Umweltinformationszentren, die das Thema "Nachhaltigkeit" in ihren Ausstellungen aufgriffen, taucht es heutzutage in Museen aller Sparten auf. Dabei sind nicht nur nachhaltige Entwicklung und die hierfür vereinbarten siebzehn Ziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDG), Gegenstand der Vermittlung in Ausstellungen, Begleitprogrammen und Veranstaltungen; das eigene Tun wird zunehmend reflektiert, der Museumsbetrieb selbst auf Einsparpotenziale an CO2 ausgelotet und innovative Strategien für Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit werden gefordert und nun auch durch die Bundesregierung gefördert.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN, Abbildung: United Nations

Die Mitarbeiter*innen der Landesstelle wollen die Museen aktiv unterstützen, ihre individuellen Fragen zum nachhaltigen Museumsbetrieb zu beantworten. Eine Förderung durch die Landesstelle zu erhalten, bedeutete schon bisher - und zukünftig vielleicht noch mehr - eine nachhaltige Wirkung der geförderten Maßnahme im Blick zu haben. Es ging und geht also darum, die Fördermittel selbst als Ressource nachhaltig zu nutzen. Was bedeutet dies?

In der Regel sind die im Museum vorhandenen Ressourcen jedweder Art - Materialien, Mitarbeiter*innen, Gelder - knapp. Nachhaltig genutzt werden sie, wenn sie nicht nur wirtschaftlich vertretbar, sondern auch umwelt- und sozialverträglich eingesetzt werden, um die gewünschten und bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Das bedeutet beispielsweise, dass die im Museum vorhandenen Mittel für aktuelle Maßnahmen nur in dem Maße genutzt werden sollten, dass der Ressourcenbedarf des allgemeinen Museumsbetriebs und jener zukünftiger Vorhaben befriedigt werden kann (vgl. Definition von nachhaltiger Entwicklung nach dem Brundtland-Bericht). Konkret heißt dies beispielsweise für die Entwicklung und Umsetzung einer Wechselausstellung oder die Neueinrichtung einer Dauerausstellung:

  • Ein sorgsamer und konservatorisch unbedenklicher Umgang mit den Exponaten ist Voraussetzung, damit der materielle wie auch immaterielle Wert der Kulturgüter bewahrt wird und sie auch zukünftig für Vermittlung und Forschung genutzt werden können.
  • Die Wiederverwendbarkeit von Ausstellungselementen bedingt zwar nur eine eingeschränkte individuelle Gestaltung, mindert aber den CO2-Fußabdruck durch weniger Materialverbrauch und weniger Abfallaufkommen.
  • Eine gute Planung der personellen Ressourcen verhindert das "Ausbrennen" einzelner Mitarbeiter*innen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit des gesamten Teams aus und bewahrt die Leistungsfähigkeit wie auch die Motivation für zukünftige Projekte.
  • Inhalte und Gestaltung der Ausstellung müssen inklusiv ausgerichtet sein und sich um eine barrierefreie Zugänglichkeit bemühen, wobei ein gleichwertiges Ausstellungserlebnis für alle das Ziel ist.
  • Eine vorausschauende Planung von Veranstaltungen kann finanzielle Ressourcen schonen, ermöglicht ein gutes Zeitmanagement und sollte die Verwendung von Materialien im Blick behalten.
  • Als sozialverträglich gilt, alle Leistungen der eigenen Mitarbeiter*innen wie auch die der externen Dienstleister*innen fair zu vergüten.
  • Eine gut abgestimmte Dokumentenablage sichert den direkten Zugriff auf relevante Informationen, schont digitale Speicherkapazitäten, senkt den Energieverbrauch von Servern und spart personelle Ressourcen, da relevante Informationen schnell aufgefunden werden.
  • Der Einsatz der finanziellen Mittel für ein Ausstellungsprojekt darf andere Aufgaben und Funktionen des Museums nicht in dem Maße einschränken, dass der allgemeine Museumsbetrieb aktuell oder zukünftig nicht mehr gewährleistet werden kann.
  • Die Finanzmittel müssen sparsam und wirtschaftlich eingesetzt werden, wobei alle Kosten insbesondere im Lebenszyklus von Produkten betrachtet werden sollen und somit bei der Beschaffung ausdrücklich die Erfüllung sozialer und ökologischer Kriterien gefordert werden kann.

Für eine nachhaltige Ausrichtung des Ausstellungsmanagements wie auch des gesamten Museumsbetriebs sind die gewünschten Ergebnisse hinsichtlich eines anzunehmenden Ressourcenver- bzw. -gebrauchs und damit auch zu verantwortenden Kosten im Vorfeld zu reflektieren und Wunschvorstellungen entsprechend anzupassen. Folgende Prinzipien und damit verbundene Fragestellungen können bei der Reflexion eines Ausstellungsprojekts beispielsweise hilfreich sein:

  1. Das Prinzip der Suffizienz bedeutet eine bewusste Entscheidung für den Verbrauch oder Gebrauch von Ressourcen - am Anfang steht also damit zuerst die Frage "Brauchen wir diese Ausstellung wirklich? Und wenn ja, in welchem Umfang?".
  2. Das Prinzip der Effizienz fragt nach dem zielorientierten Einsatz der Mittel - also ist beispielsweise zu beantworten, "ob sich der Aufwand für eine aktivierende Station (digital) lohnt oder sich die Vermittlungsziele auch auf kostengünstigerem Weg erreichen lassen?".
  3. Das Prinzip der Konsistenz fordert einen Mitteleinsatz, ohne dass Ressourcen unwiederbringlich verloren gehen, nicht mehr wieder zu beschaffen sind oder sich nicht wieder erholen können - frei nach dem Motto "der Zweck heiligt nicht alle Mittel".

Orientierungshilfen und Plattformen

Die Landesstelle will die Museen in die Lage versetzen, sich eigenständig, mit Kolleg*innen und im Verbund mit anderen Häusern für ihre eigene Zukunftsfähigkeit und damit nicht zuletzt für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu engagieren. Erste Anregungen für eine Reflexion des eigenen Betriebs und der verschiedenen Arbeitsfelder im Museum bieten folgende Informationsquellen:

  • Grundlegende Informationen, welche Relevanz die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung für die Museumspraxis haben und wie Museen zur Erreichung der Ziele beitragen können, hat Henry McGhie in seiner Broschüre "Museums and the Sustainble Development Goals" (PDF, nicht barrierefrei) zusammengetragen.
  • "Nachhaltiges Management" sollte keine Parole sein, sondern den Alltag in den Museen bestimmen. Konkrete Anregungen hierzu gibt die Österreichische Richtlinie UZ 208 (PDF, nicht barrierefrei) mit Muss- und Sollkriterien für umweltfreundliches Management und soziale Verantwortung in Museen und Ausstellungshäusern.
  • Die Allianz Kulturerbe, an der sich auch einige Museen beteiligten, betonte in ihrem Appell 2018 "Zukunft braucht Heimat", dass "unser Kulturerbe keine erneuerbare Ressource ist, welche in immer stärkerem Ausmaß bedroht wird von äußeren Einflüssen sowie der Materialalterung selbst".
  • Die Broschüre "EINFACH!MACHEN"(PDF, nicht barrierefrei), ein Kompass für ökologisch nachhaltiges Produzieren im Kulturbereich", herausgegeben von der Kulturstiftung des Bundes, und der "Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen" (PDF, nicht barrierefrei), herausgegeben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und Umweltbundesamt (UBA) geben praktische Tipps, wie Museen ihre Veranstaltungen nachhaltiger organisieren und umsetzen können.
  • Der Deutsche Museumsbund (DMB) sieht ein großes Potenzial der Förderung nachhaltiger Entwicklung durch die Museen - insbesondere der Ziele 4, 11 und 13 der SDGs.
  • Eine Arbeitsgruppe des DMB-Arbeitskreises Ausstellungen widmet sich seit Herbst 2020 dem intensiven Austausch und der Zusammenstellung von Hinweisen für die Museumspraxis, wobei die ökologische Nachhaltigkeit besonders im Fokus steht. Bereits 2019 beförderte die Herbsttagung des Arbeitskreises in Kooperation mit dem Arbeitskreis Konservierung/Restaurierung das Thema "Bewahren, Ausstellen: Nachhaltig!" (PDF, nicht barrierefrei) .
  • Die 2019 gegründete internationale Initiative "Museums for Future" macht zehn konkrete Handlungsvorschläge, wie man heute anfangen kann, den Museumsbetrieb nachhaltig auszurichten. Eine davon sei hier zitiert: "Machen Sie EINE Sache des Museumsbetriebs nachhaltig. Die Stromrechnung, Transport, Verpackungen, ... irgendwas. Wenn Sie jeden Monat eine einzige Sache ändern, wird Ihr Museum bis 2030 grüner als Gras!
  • "Viele Beispiele aus einer nachhaltigen Museumspraxis und Hinweise insbesondere für Kunstmuseen finden sich auf der Internetseite des International Committee for Museums and Collections of Modern Art (CIMAM).
  • Der Bundesverband Museumspädagogik hat 2021 eine Fachgruppe für die Diskussion darüber eingerichtet, wie sich die Museen im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter entwickeln sollten.
  • Informationen zur Berücksichtigung von Umweltaspekten bei der Beschaffung von Leistungen durch öffentliche Auftraggeber*innen finden sich in einem Rechtsgutachten des Umweltbundesamtes. Eine im Oktober 2020 aktualisierte Fassung (PDF, barrierefrei) ist auf der Internetseite des UBA abrufbar.
  • Leitfäden für nachhaltige Kulturveranstaltungen, -einrichtungen und -produktionen bieten zahlreiche Hinweise und Tipps für die Gestaltung von kulturellen Veranstaltungen.

Die hier zusammengestellten Informationen sind ein Anfang. Mit dem Bayerischen Museumstag 2021 soll der Austausch von Erfahrungen und Know-how hinsichtlich der nachhaltigen Museumsarbeit in Bayern gefördert und gestärkt werden.

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