Arbeitskreises für Hausforschung in Bayern
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Das diesjährige Treffen, in bewährter Weise organisiert von Ariane Weidlich (Freilichtmuseum Glentleiten) und Georg Waldemer (Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen), fand am 10. November 2006 nach längerer Zeit wieder in München statt. Passender Ort hierfür war der restaurierte Gewölbekeller des Burgstocks im Alten Hof unterhalb des „infopoints“ der Landesstelle, wo sich über 90 Teilnehmer zu dem eintägigen Treffen versammelten.
In seinem einführenden Grußwort an die Teilnehmer konnte Generalkonservator Professor Dr. Greipl mitteilen, daß die Regierungsfraktion im bayerischen Landtag es soeben abgelehnt hatte, die rechtliche Stellung der Denkmalpflege im Lande weiter zu verschlechtern, wie es ein Regierungsentwurf vorgesehen hatte. Damit erscheinen auch weiterhin wesentliche Voraussetzungen für eine funktionierende Haus- und Bauforschung in Bayern gesichert.
Wie üblich, war dann der Vormittag Vorträgen, diesmal zu unterschiedlichen aktuellen Forschungen, gewidmet, während nach dem Mittagsessen verschiedene Exkursionsobjekte besichtigt werden konnten.
Die ersten drei Vorträge waren schwerpunktmäßig den älteren Blockbauten im südlichen und östlichen Bayern gewidmet. Karl Schnieringer stellte dabei zu Beginn zwei Stuben des 15. Jahrhunderts aus Ostbayern als Beiträge zur frühen Geschichte des „Walderhauses“ vor. Bei beiden Objekten sind als Kern neuzeitlicher Bauernhäuser in Blockbauweise ältere Blockstuben als Relikte ursprünglich größerer Häuser erhalten geblieben: Loifling, Landkreis Cham vom Jahr 1425 (d), Teisnach, Landkreis Regen von 1455 (d – bauhistorische Untersuchungen : Arch. G. Naumann, Regensburg). Besonders aufschlußreich war bei dem älteren Beispiel die Tatsache, daß die jüngere Dachkonstruktion auf eigenen Ständern neben den Blockbauteilen ablastete, wodurch eine umgebindeartige Konstruktion entstand.
Georg Waldemer knüpfte hieran an und stellte „ergänzende Notizen“ zur Forschungslage zu den frühen Blockbauten in Süd- und Südostbayern vor. In seinem Überblick wurde deutlich, daß sich durch intensivere Untersuchungen, insbesondere auch mit den Mitteln der Dendrochronologie, veranlaßt von den jeweiligen Freilichtmuseen oder dem Landesamt für Denkmalpflege,
die Zahl der bekannten frühneuzeitlichen Bauten auf dem Land im östlichen Bayern deutlich erhöht hat (Im Vergleich zu anderen Regionen, wie beispielsweise Franken, nimmt sich das Ergebnis allerdings weiterhin recht bescheiden aus). Bei der Untersuchung dieser frühen Bauten ist der Anlage der Feuerstätten besondere Beachtung zu schenken. Die Wahrscheinlichkeit rauchstubenähnlicher Anlagen, wie sie aus Archivalien abzuleiten ist, wäre am Objekt im Einzelnen kritisch zu überprüfen.
Mit dem Fischerweber-Zuhaus in Rottach-Egern stellte Christoph Kleiber dann ein Nebengebäude mit Kapelle zu dem bereits in das FLM Glentleiten versetzten Fischerweber-Wohnhaus vor; die Untersuchung ging 2004/2005 der anstehenden Versetzung auch dieses Nebengebäudes in das Freilichtmuseum voraus. Sie ergab, daß der Kern des Gebäudes ein im Erdgeschoß noch erhaltener Blockbau von 1480/82 (d) ist, der dann in jüngeren Bauphasen in einen teils massiv gemauerten zweigeschossigen Baukörper einbezogen wurde. Dabei entstand auch der ungewöhnliche zweigeschossige Raum der Hofkapelle, der mit seiner gesamten erhaltenen Ausstattung im Museum ein besonderes Zeugnis für oberbayerische Volksfrömmigkeit darstellen wird.
Die ersten drei Beiträge konnten verdeutlichen, daß bei der Identifizierung von älteren Blockbauten vor allem mit „Blockbaukernen“ gerechnet werden muß, die sich umschlossen von jüngeren Bauteilen – entweder ebenso in Blockbauweise oder massiv ausgeführt – erhalten haben; hier kann dann eine Untersuchung der Dachkonstruktionen – bei bewohnten Häusern oft die einzige Gelegenheit zur Analyse konstruktiver Elemente – alleine nicht weiterhelfen.
Die nächsten beiden Vorträge führten dann nach Franken. Tilmann Kohnert behandelte einen neu untersuchten Ziegelbau aus Bamberg, der durch die hölzernen Deckenbalken und das Dachwerk auf 1308 (d) datiert werden konnte. Der dreigeschossige Bau hat sich in dem umfangreichen Gebäudekomplex Obere Königgasse 13/15 erhalten, der nun für eine Hotelnutzung umgebaut wird, wobei der flußseitig gelegene Ziegelbau von späteren Anbauten befreit erhalten bleiben kann. Die Untersuchung ergab, daß es sich hierbei siedlungstopographisch immer schon um ein Rückgebäude zu jünger veränderten Vorderbauten handelte, deren heutige Substanz als Gasthaus „Zum roten Ochsen“ aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der turmartige Bautyp ohne ältere unterteilende Wände, dafür aber mit flußseitigen Ladetüren, wo möglicherweise auch ein hölzerner Vorbau vorhanden gewesen war, läßt sich als Speicher ansprechen. Hieran anknüpfend stellte der Referent weitere neuere Befunde zu Ziegelbauten des 13./14. Jahrhunderts in Bamberg vor, die sich einteilen lassen in Wohnbauten mit Blendgiebeln einerseits und Speicherbauten anderseits, von denen bislang drei weitere zumindest in Fragmenten nachweisbar sind.
Herbert May stellte dann die Baugefüge und archivalische Überlieferung zu den Pfarrökonomiegebäuden des 15. Jahrhunderts in Nürnberg-Katzwang vor. In diesem Nürnberger Stadtteil haben sich auf dem in Struktur und Ausmaß erhaltenen Areal des mittelalterlichen Pfarrhofes mit der Scheune von 1468 (d) und dem Stallgebäude („Kelterhaus“) von 1436 (d) noch die Nebengebäude des 15. Jahrhunderts erhalten, während das Pfarrhaus selbst im Jahre 1780 neu errichtet wurde. Seit der Zeit um 1500 haben sich im Bestand des Klosters Ebrach, des Patronatsherren in Katzwang, im Staatsarchiv Würzburg auch zahlreiche baubezogene Archivalien erhalten, die die nachfolgende Baugeschichte der Anlage einschließlich der Vorgängerbauten des spätbarocken Pfarrhauses nachvollziehbar werden lassen. Damit liegt hier ein wichtiges Beispiel für die historische Aufarbeitung einer solchen Pfarrökonomie vor, wie sie bislang für Süddeutschland noch ein Desiderat darstellt.
Der letzte Beitrag des Vormittags führte inhaltlich wieder zurück nach München und stellte damit die Überleitung zu den Exkursionen des Nachmittags her. Reinhold Winkler präsentierte die in enger Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen für Bauforschung und Archäologie des Landesamtes 2002/2003 durchgeführten Grabungen am St. Jakobsplatz im Süden des Areals der Münchner Altstadt und daran anknüpfend die Baugeschichte der anliegenden Bürgerhäuser zwischen Ober- und Unteranger. Durch die enge Verzahnung von Bau- und Bodenbefunden war es möglich, hier die Baugeschichte eines größeren Areals von den Anfängen im 13./14. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert detailliert nachzuvollziehen, wobei durch die seit dem 16. Jahrhundert überlieferten Bildquellen und vor allem auch das Stadtmodell die Rekonstruktionen der Bebauung sehr anschaulich dargestellt werden können.
Die nachmittägliche Exkursion wurde in zwei Gruppen durchgeführt. Eine führte Franz Hölzl über die verschiedenen Dachwerke des Gebäudekomplexes des Alten Hofes, wo vier große, unterschiedlich aufgebaute Konstruktionen von der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten sind, die , sachkundig kommentiert , einen wichtigen Einblick in die Entwicklung von Dachkonstruktionen im Münchner Raum ermöglichten.
Die jeweils andere Gruppe führte Stefan Ebeling in dem Bier- und Oktoberfestmuseum in der Sterneckerstraße, einem Gebäudekomplex, den er nach vorhergehender ausgiebiger Untersuchung durch Karl Schnieringer auch als Architekt und Bauleiter betreut hatte. Dank eines sensiblen Bauherren war es hier möglich, die vorgefundene Substanz weitgehend zu erhalten und im Rahmen der musealen Aufarbeitung zu präsentierten, so daß hier heute noch ein Münchner Mietzinshaus des späten 16. Jahrhunderts mit seinen späteren Ausbauten und wichtigen Details wie einer „Himmelsleiter“ erlebbar wird. Hinzu kommt im inneren Kernbereich der Anlage ein heute ebenfalls ablesbarer Speicherbau von 1346 (d), womit dieser Gebäudekomplex auch einen der wenigen erhaltenen Münchner baulichen Profanbaubelege für das 14. Jahrhundert aufweisen kann.
Abschließend zeigte sich in Einzelgesprächen, daß viele Teilnehmer mit der Tagung sehr zufrieden gewesen waren, wobei neben den zahlreichen neuen Aspekten der morgendlichen Vorträge besonders auch die seltene Gelegenheit zur Besichtigung der angesprochenen mittelalterlichen baulichen Überlieferung mitten in München hervorgehoben wurde. Die besichtigten Bauten, die nur durch intensiven Einsatz des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege so ausführlich untersucht und vor allem auch in wesentlichen Teilen der Substanz erhalten werden konnten, ließen für alle Teilnehmer wieder einmal die Bedeutung dieser leider in letzter Zeit in ihrer Funktion bereits stark eingeschränkten Fachbehörde deutlich werden. Daher bleibt nur zu hoffen, daß die anfangs angesprochene Entscheidung der Landtagsfraktion hier wiederum eine Trendwende markiert.
Ulrich Klein, Marburg/Lahn
