Pressematerial
Der Alte Hof in München, Dienstsitz der Landesstelle
Der Alte Hof in München, Dienstsitz der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung Alter Hof 1
Abbildung Alter Hof 2
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung Alter Hof 1
Abbildung Alter Hof 2

Die Dauerausstellung "Münchner Kaiserburg" im Alten Hof
Die Dauerausstellung "Münchner Kaiserburg" informiert in einer ungewöhnlichen Multimediaschau über die Geschichte des Alten Hofs, der ersten Wittelsbacher Residenz, sowie über deren bedeutendsten Bewohner, Kaiser Ludwig IV.(1282-1347), den ersten deutschen Kaiser aus Bayern.
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4

Der infopoint museen & schlösser in bayern
Im infopoint museen & schlösser in bayern, der von der Landesstelle betreut wird, erhält der Besucher aktuelle und umfassende Informationen zur Museumslandschaft Bayern.
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 1
Abbildung 2
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 1
Abbildung 2

Hausforschertagung 2008: Bericht
Farbe und Dekor. Bericht über die 26. Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Bayern am 26. bis 28. Juni 2008 in Bad Windsheim
Aus historischem Anlass traf sich die Regionalgruppe Bayern des AHF in diesem Jahr im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim: Vor 25 Jahren, am 28. Juli 1983, hatte hier eine kleine Arbeitstagung mit dem Titel "Das farbige Haus" stattgefunden, die erstmals Ergebnisse von restauratorischen Farbuntersuchungen an "einfachen" ländlichen Profanbauten wie Bauern- und Tagelöhnerhäusern diskutierte - während in der bis dahin üblichen denkmalpflegerischen Praxis nur "anspruchsvolle" Gebäude wie z.B. Kirchen oder Schlösser solcher Untersuchungen für würdig befunden worden waren. In seinem Abendvortrag am 26. Juni erinnerte Konrad Bedal (Bad Windsheim) an diese Tagung und stellte beispielhafte Ergebnisse von seitdem im Fränkischen Freilandmuseum durchgeführten Farbuntersuchungen vor - mit dem 1983 noch verblüffenden Ergebnis: Auch die "einfachen" Häuser der "kleinen Leute" waren bunt!
Die von Herbert May, Georg Waldemer und Ariane Weidlich in Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Freilandmuseum vorbereitete Tagung war mit 130 gemeldeten Teilnehmern überdurchschnittlich gut besucht. Besonders anregend waren die vielfältigen Diskussionen zwischen Bauforschern und Restauratoren, die etwa zu gleichen Teilen anwesend waren. Auch erwies es sich als gute Entscheidung, die immense Zahl von 26 gemeldeten (und 25 gehaltenen) Vorträgen auf drei Tage zu verteilen.
Nach der Begrüßung durch Konrad Bedal (Fränkisches Freilandmuseum) und Georg Waldemer (Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern) eröffnete Johannes Cramer (Berlin) die Sektion "Überblicksdarstellungen" (26. Juni) mit einer kritischen Betrachtung des Forschungsstandes zur historischen Architekturfarbigkeit, den er nach wie vor als unbefriedigend einschätzte. Vor allem vermisste er einen systematischen Überblick über die zahllosen Einzeluntersuchungen der letzten Jahrzehnte, die vielfach unpubliziert in den Schubladen der Denkmalämter schlummern. Er erinnerte an den von Gottfried Semper ausgelösten "Polychromiestreit" des 19. Jahrhunderts. Mittlerweile ist die Farbigkeit antiker Tempel längst ein ebenso etabliertes Forschungsfeld wie die Wandmalerei des Mittelalters, während die Polychromie mittelalterlicher Skulpturen und Außenfassaden noch lange übersehen worden ist. Cramer erinnerte an die ersten Befunduntersuchungen in Schweizer Bürgerhäusern (Basel, Bern, Zürich) seit den 1970er Jahren mit spektakulären Ergebnissen bis zurück ins 14. Jahrhundert. Der Fachwerkbau wurde dagegen im Unterschied zu aufwendigen figurativen Darstellungen in Innenräumen von einem beschränkten Spektrum aus preiswerten Erdfarben (Schwarz/ Grau, Rot, Gelb) dominiert. Schließlich habe die Hausforschung mit ihren restauratorischen Untersuchungen zu Profanbauten auch die Wahrnehmung der Moderne verändert - "sie war nicht weiß, sondern bunt!" Cramers Forderung nach einer systematischen Dokumentation und Auswertung der Fülle an vorliegenden Farbbefunden zum Profanbau ist nachdrücklich zuzustimmen.
Ulrich Knapp (Leonberg) gab einen Überblick zu farbig glasierten Dachziegeln und gemusterten Dachdeckungen mit zahlreichen Beispielen vom Mittelalter bis heute - eines der ältesten ist die in situ erhaltene Dachdeckung auf dem Konstanzer Münster von 1239. Aber auch im profanen Hausbau gibt es hier - trotz fortschreitender Vernichtung alter Dachdeckungen - noch spannende Entdeckungen zu machen, wie z.B. farbig glasierte Biberschwänze auf einem Fachwerkhaus des 15. Jahrhunderts in Dambach-la-Ville (Elsaß), das während der AHF-Tagung in Wissembourg 2007 besichtigt wurde. Michael Back (Bad Windsheim), Restaurator und "Museumsziegler" am Fränkischen Freilandmuseum, stellte "Die Farbe Blau im historischen Hausbau" vor. Während alte Blaupigmente wie "Ägyptischblau", Azurit, Lapislazuli oder Smalte für den schlichten Profanbau zu teuer waren, gewannen seit dem 18. Jahrhundert synthetische Blaufarbstoffe an Bedeutung: Den Anfang machte das seit etwa 1740 gewerblich hergestellte "Berliner Blau", doch verhalf erst das 1836 patentierte synthetische Ultramarin der Farbe Blau zum Durchbruch im profanen Hausbau.
Aktuelle Befunde und in der Literatur nachgewiesene Beispiele zur Farbigkeit Nürnberger Bürgerhäuser stellte Herbert May (Bad Windsheim) vor und wies darauf hin, das Farbe im Stadtraum bis heute eine "hoch emotionale Angelegenheit" sei. So sei es schwer vermittelbar, dass entgegen den heutigen Sehgewohnheiten auch der hoch geschätzte Nürnberger Burgsandstein vielfach farbig überfasst worden sei - was er mit vielfältigen Befunden für gemalte Steinoberflächen und Quaderungen auf Steinfassaden belegte. Weiterhin stellte er Fachwerkfassungen vor und erinnerte an die nur noch durch historische Bildquellen überlieferten Illusionsmalereien an Nürnberger Fassaden von Albrecht Dürer und anderen Malern.
Über "Farbe am Holzbau" der Zentralschweiz berichtete Benno Furrer (Zug, CH). Im Berner Oberland entwickelte sich an Blockbauten von Ratsherren und reichen Bauern seit dem 17. Jahrhundert ein "Standardrepertoire" von Schnitz- und Farbdekoration, während sich in Appenzell ab der Mitte des 19. Jahrhunderts großflächige Bemalungen von Scheunen in rot, ocker, beige oder gelb im Kontrast zu grauen Wohnhausfassaden verbreiteten. Neben allgemeinem Repräsentationsbedürfnis und Zierfreude sah Furrer auch Kommunikation und konfessionelle Abgrenzung als Ursachen für die Farbigkeit der Holzbauten.
Sehr stark in die Einzelbefunde ging der Vortrag von Stefan Uhl (Warthausen) und Cornelia Marinowitz (Winterthur, CH) zu "monochrome(n) und farbige(n) Fassungen in Stuben des 14.-18. Jahrhunderts im südlichen Oberschwaben". Uhl stellte die baulichen Strukturen der untersuchten Bohlenstuben des 14. und 15. Jahrhunderts aus Ravensburg (u.a. Humpisquartier ab 1375 d) und Leutkirch ("gotisches Haus") vor, während Marinowitz die Farbbefunde im Einzelnen thematisierte. Besonders gründlich untersucht wurden die immer wieder angetroffenen Schwarzfassungen auf Bohlenwänden und -decken, die durch Bindemittelanalysen zweifelsfrei als Anstriche und nicht etwa verrußte oder nachgedunkelte Oberflächen identifiziert werden konnten. Dabei sind Braunfassungen (Kasseler Braun) und so genannte Bisterfassungen (von frz. bistre / bistré = rußschwarz / nussbraun), proteingebundene Rußlasuren oder Beizen aus aufgekochtem Glanzruß, zu unterscheiden. Als Bindemittel konnten Leim sowie Tempera und Öl nachgewiesen werden. In der Neuzeit sind schließlich neben den weiterhin weit verbreiteten Schwarzfassungen auch teure Grünfassungen in oberschichtigen Bauten belegbar (Malachit, "Schweinfurter Grün", letzteres wegen seiner hohen Giftigkeit schon 1887 verboten).
In der Diskussion, die aus Zeitgründen erst am folgenden Tag stattfinden konnte, standen die schwarzen und grünen Farbfassungen im Mittelpunkt. Dabei hielt Restaurator Holger Wilcke (Heideck) ein leidenschaftliches Plädoyer für das "finstere Mittelalter" in Form der für heutige Betrachter schwer vorstellbaren Schwarzfassungen in Stuben, aber auch an Dachstuhlhölzern, die er mittlerweile in knapp 60 Fällen durch Bindemittelanalyse nachweisen kann (aktuelle Liste im Internet unter www.holger-wilcke.de/schwarzfassungen.html). Vergleichbare Befunde liegen auch aus der Schweiz, Sachsen und Sachsen-Anhalt vor.
Zu den "Pionieren", die Farbbefunde an pro¬fanen Bürgerhäusern schon seit den 1970er Jahren systematisch untersuchen, gehört das aus einer studentischen Arbeitsgruppe hervorgegangene "Freie Institut für Bauforschung und Dokumentation" (IBD) in Marburg. Als Auftakt der Sektion "Spätes Mittelalter / Frühe Neuzeit" präsentierte Ulrich Klein (Marburg) einen kompakten Überblick über "Farbiges Fachwerk in Hessen". Durch eine konsequent stratigraphische Befunderhebung konnte für hessische Städte eine gesicherte Chronologie der Fachwerkfarbigkeit aufgestellt werden, die von ungefassten, manchmal strukturierten Kalkputzen im 15. Jahrhundert über schwarze Fachwerkaufmalungen mit Begleitlinien (ab etwa 1520) und Rotfassungen (ab 1570) neben gelegentlichen ockergelben Bemalungen schließlich zu Graufassungen im 17. Jahrhundert führt. Ähnliche Befunde konnte Edgar Hartmann (Marktheidenfeld) für die unterfränkische Stadt Karlstadt am Main vorstellen, deren farbige Fachwerkbemalungen vornehmlich des 16. Jahrhunderts durch aufgemalte "schwarze Blumen", Wappen und z.T. datierende Inschriften in den Gefachen bereichert sind.
Als bedeutenden Einzelbefund hatte zuvor Birgit Kata (Kempten) das frühere Beginenhaus in Kempten/Allgäu vorgestellt, einen Massivbau von 1357 d, der seit dem 15. Jahrhundert als patrizischer Wohnsitz diente und 1584 eine anspruchsvolle Neuausstattung der Spätrenaissance mit Kassettendecken, grünen Bodenfliesen und reichen Malereien erhielt.
Archivalische Funde zu Farbmaterialien aus Baurechnungen und Kostenanschlägen des 15. bis 18. Jahrhunderts hat Robert Giersch (Offenhausen) gesammelt. Wie im erhaltenen Baubestand sind rote und gelbe Ockererden als Massenprodukte am häufigsten nachweisbar; sie stammen aus Farbgruben etwa bei Nürnberg ("Nürnberger Rot") oder Schwandorf. Andere Pigmente wie Kienruß, Mennige, Silberglätte oder Bleiweiß erscheinen dagegen seltener in den Rechnungen, die darüber hinaus vielfältige Auskünfte zu Malern, Tünchern oder Farbhändlern enthalten.
Claus Giersch (Fürth) präsentierte seltene Fladertapetenfunde der Zeit nach 1560 aus dem Haus Seegasse 8 in Bad Windsheim (vgl. den Vorbericht von Konrad Bedal in AHF-Mitt. 72, 2008), die am folgenden Tag auch besichtigt werden konnten. Als Produzenten der Drucke kommen Nürnberger Briefmaler und Fladerpapierhersteller in Frage; als Vorlage für die perspektivische Architekturdarstellung konnte ein Stich im "Intarsienbuch" von Erasmus Loy (Regensburg, 1520-1570) nachgewiesen werden.
Der folgende Vortrag von Peter Barthold (Münster) erlaubte einen vergleichenden "Blick über den Tellerrand" nach Rheine in Westfalen, wo im 1579/80 (d) datierten Hinterhaus eines nachweislich seit 1780, aber vermutlich schon früher als Herberge genutzten Bürgerhauses diverse frühe Innenraumfassungen, u.a. mit gemalten Intarsien und Maserierung, entdeckt wurden. Scheibenförmige Abdrücke von ehemals aufgeklebten Papieren an einer Decke lassen an ähnliche gedruckte Medaillons denken, wie sie auch in Bad Windsheim gefunden wurden.
Die folgende Sektion "Vorindustrielle Zeit (17.-Mitte 19. Jahrhundert)" eröffnete Ariane Weidlich (Glentleiten) mit einer kritischen Sichtung der bekannten und mit allen denkbaren Oberbayern-Klischees behafteten "Lüftlmalereien" des späten 18. Jahrhunderts im bayerischen Voralpenland. Als Auftraggeber dieser spätbarocken Fassadenmalereien, die von Kirchenmalern nicht selten in einer Mischtechnik aus Fresko- und Seccomalerei ausgeführt wurden, lassen sich wohlhabende Verleger in Handelsorten wie Mittenwald, Ober- und Unterammergau oder Reit im Winkl ausmachen, doch wurden auch große Bauernhöfe oder einfache Handwerkerhäuser bemalt. Durch fortwährende Überarbeitung ohne restauratorische Begleitung bis in jüngste Zeit ist eine Beurteilung vieler Malereien problematisch.
Thomas Wenderoth (München) stellte Befunde für "monochrome Fachwerkfassungen des 18. Jahrhunderts in Mittelfranken" vor. Neben den überregional verbreiteten Beispielen, die seit dem 18. Jahrhundert unter dem Einfluss des Barock und Klassizismus entstanden, überraschte er mit frühen Befunden für flächig verputzte und monochrom weiß gestrichene Innenräume mit Stuckdecken im "Alten Schloss" in Neustadt/ Aisch von 1602. Dirk Knüpfer (Halle/ Saale) prä¬sentierte die vielfältigen Putzoberflächen und Farbbefunde am Jagdschlösschen aus Eyerlohe von 1778 und dem Korbhaus aus Knittelsbach von 1821 im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Vielfältige Farbbefunde im Innern eines äußerlich schlichten Fachwerkhauses in Stetten, Gänseteich 3, zeigte Ingrid Winklmann, darunter rote Fachwerkbemalungen mit Inschriften, floralen Mustern und der Datierung "1751". Die unterschiedlich aufwendige Gestaltung der Malereien erlaubt Rückschlüsse auf die Hierarchie und Nutzung der Räume des Gebäudes, das mutmaßlich als Wirtshaus diente.
Einen Ausblick nach Norden ermöglichte dann Beat Sigrist (Münster), der Fugenmalereien auf Backsteinmauerwerk aus Westfalen vorstellte. Neben der 1222 geweihten Klosterkirche Marienfeld bei Gütersloh als singulärem Beispiel aus dem Hochmittelalter zeigte er datierte Befunde für rot überschlämmtes Backsteinmauerwerk mit weißer, z.T. ornamental bereicherter Fugenmalerei an Massiv- und Fachwerkbauten zwischen 1450/86 (d, Werne a.d. Lippe) und 1651 (Lippstadt-Overhagen, Schlosskapelle) mit einem Schwerpunkt im 16. Jahrhundert (z.B. am Schloss Oesterholz, Kr. Lippe, 1597-99).
Die letzte Sektion "19./20. Jahrhundert" (28. Juni) war mit sieben Vorträgen gut bestückt: Christiane Meier (Hamburg) berichtete über "Biographien, Nachlässe und Raumgestaltungen" von drei "Dekorations- und Stubenmalern" des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus Niedersachsen. Eine restauratorische Reihenuntersuchung von zehn Wohnhäusern aus der Zeit zwischen 1820 und 1905 konnte Marlies Genßler (Sternebeck/Brandenburg) in dem Dorf Horno in der Niederlausitz durchführen, das inzwischen für den Braun¬kohlentagebau devastiert worden ist. Sie fand eine große Vielfalt an farbigen Scha¬blonenmalereien und Gummirollenmustern des 19. und 20. Jahrhunderts, die chronologisch und statistisch ausgewertet wurden.
Kerstin Klein (Hannover) zeigte die überaus aufwendige und vollständig erhaltene Möbel- und Raumausstattung (einschließlich Tapeten und Textilien) eines herrschaftlichen Wohnhauses von 1865 und 1875 auf einem Bauernhof in Jerxheim (Lkr. Helmstedt), der im 19. Jahrhundert durch Zuckerrübenanbau zu Geld gekommen war. Mit repräsentativen Räumen, einer Bibliothek und einem eigenen Museum (!) betätigte sich der Bauer als bürgerlicher Kunst- und Antiquitätensammler.
Die im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert weit verbreiteten Schablonen und Musterwalzen waren das Thema der der beiden folgenden Vorträge: Silvia Kuch (Köln) stellte einen Bestand von ca. 850 Musterwalzen aus dem Fränkischen Freilandmuseum vor und zeigte die kleingewerbliche Herstellung der Walzen mit einer Pressmaschine. Barbara Rinn (Marburg) präsentierte die statistische Auswertung des Schablonenbestandes eines hessischen Malers der Zeit um 1900 mit über 600 Schablonen, die für z.T. mehrschlägige Muster verwendet wurden.
Dass auch die vom offenen Herfeuer verräucherten Fletträume niederdeutscher Hallenhäuser bunt sein konnten, zeigte Wolfgang Dörfler (Hesedorf/Niedersachsen) am Beispiel aktueller Befunde in einem von der IGB restaurierten Bauernhaus in Ostereistedt (Lkr. Rotenburg /Wümme). Vergleichbare stark farbige Quader- oder Rautenmuster an Herdwänden sind im Elbe-Weser-Raum vielfach nachweisbar.
Zum Abschluss berichtete Georg Waldemer (München), anknüpfend an Ariane Weidlich, über "Lüftlmalereien" im 20. Jahrhundert im südwestlichen Oberbayern, die sich seit ihrer Revitalisierung durch Münchner Künstler im Zuge der Heimatschutzbewegung zu Beginn des Jahrhunderts bis heute einer ungebrochenen Popularität erfreuen.
Zwei Exkursionen zu Fuß ins Fränkische Freilandmuseum und zur "Baugruppe Stadt" bzw. in die Innenstadt von Bad Windsheim sowie die optionale Teilnahmemöglichkeit an der "Museumsnacht" am 28. Juni rundeten das ertragreiche Tagungsprogramm ab. Es bleibt zu hoffen, dass die spannenden Ergebnisse bald in einem Tagungsband publiziert werden, um die Diskussion um die zu Beginn gestellte Forderung nach einer systematischen Dokumentation und Auswertung der vielfältigen Farbuntersuchungen weiter voranzubringen.
Heinrich Stiewe
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5
Aus historischem Anlass traf sich die Regionalgruppe Bayern des AHF in diesem Jahr im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim: Vor 25 Jahren, am 28. Juli 1983, hatte hier eine kleine Arbeitstagung mit dem Titel "Das farbige Haus" stattgefunden, die erstmals Ergebnisse von restauratorischen Farbuntersuchungen an "einfachen" ländlichen Profanbauten wie Bauern- und Tagelöhnerhäusern diskutierte - während in der bis dahin üblichen denkmalpflegerischen Praxis nur "anspruchsvolle" Gebäude wie z.B. Kirchen oder Schlösser solcher Untersuchungen für würdig befunden worden waren. In seinem Abendvortrag am 26. Juni erinnerte Konrad Bedal (Bad Windsheim) an diese Tagung und stellte beispielhafte Ergebnisse von seitdem im Fränkischen Freilandmuseum durchgeführten Farbuntersuchungen vor - mit dem 1983 noch verblüffenden Ergebnis: Auch die "einfachen" Häuser der "kleinen Leute" waren bunt!
Die von Herbert May, Georg Waldemer und Ariane Weidlich in Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Freilandmuseum vorbereitete Tagung war mit 130 gemeldeten Teilnehmern überdurchschnittlich gut besucht. Besonders anregend waren die vielfältigen Diskussionen zwischen Bauforschern und Restauratoren, die etwa zu gleichen Teilen anwesend waren. Auch erwies es sich als gute Entscheidung, die immense Zahl von 26 gemeldeten (und 25 gehaltenen) Vorträgen auf drei Tage zu verteilen.
Nach der Begrüßung durch Konrad Bedal (Fränkisches Freilandmuseum) und Georg Waldemer (Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern) eröffnete Johannes Cramer (Berlin) die Sektion "Überblicksdarstellungen" (26. Juni) mit einer kritischen Betrachtung des Forschungsstandes zur historischen Architekturfarbigkeit, den er nach wie vor als unbefriedigend einschätzte. Vor allem vermisste er einen systematischen Überblick über die zahllosen Einzeluntersuchungen der letzten Jahrzehnte, die vielfach unpubliziert in den Schubladen der Denkmalämter schlummern. Er erinnerte an den von Gottfried Semper ausgelösten "Polychromiestreit" des 19. Jahrhunderts. Mittlerweile ist die Farbigkeit antiker Tempel längst ein ebenso etabliertes Forschungsfeld wie die Wandmalerei des Mittelalters, während die Polychromie mittelalterlicher Skulpturen und Außenfassaden noch lange übersehen worden ist. Cramer erinnerte an die ersten Befunduntersuchungen in Schweizer Bürgerhäusern (Basel, Bern, Zürich) seit den 1970er Jahren mit spektakulären Ergebnissen bis zurück ins 14. Jahrhundert. Der Fachwerkbau wurde dagegen im Unterschied zu aufwendigen figurativen Darstellungen in Innenräumen von einem beschränkten Spektrum aus preiswerten Erdfarben (Schwarz/ Grau, Rot, Gelb) dominiert. Schließlich habe die Hausforschung mit ihren restauratorischen Untersuchungen zu Profanbauten auch die Wahrnehmung der Moderne verändert - "sie war nicht weiß, sondern bunt!" Cramers Forderung nach einer systematischen Dokumentation und Auswertung der Fülle an vorliegenden Farbbefunden zum Profanbau ist nachdrücklich zuzustimmen.
Ulrich Knapp (Leonberg) gab einen Überblick zu farbig glasierten Dachziegeln und gemusterten Dachdeckungen mit zahlreichen Beispielen vom Mittelalter bis heute - eines der ältesten ist die in situ erhaltene Dachdeckung auf dem Konstanzer Münster von 1239. Aber auch im profanen Hausbau gibt es hier - trotz fortschreitender Vernichtung alter Dachdeckungen - noch spannende Entdeckungen zu machen, wie z.B. farbig glasierte Biberschwänze auf einem Fachwerkhaus des 15. Jahrhunderts in Dambach-la-Ville (Elsaß), das während der AHF-Tagung in Wissembourg 2007 besichtigt wurde. Michael Back (Bad Windsheim), Restaurator und "Museumsziegler" am Fränkischen Freilandmuseum, stellte "Die Farbe Blau im historischen Hausbau" vor. Während alte Blaupigmente wie "Ägyptischblau", Azurit, Lapislazuli oder Smalte für den schlichten Profanbau zu teuer waren, gewannen seit dem 18. Jahrhundert synthetische Blaufarbstoffe an Bedeutung: Den Anfang machte das seit etwa 1740 gewerblich hergestellte "Berliner Blau", doch verhalf erst das 1836 patentierte synthetische Ultramarin der Farbe Blau zum Durchbruch im profanen Hausbau.
Aktuelle Befunde und in der Literatur nachgewiesene Beispiele zur Farbigkeit Nürnberger Bürgerhäuser stellte Herbert May (Bad Windsheim) vor und wies darauf hin, das Farbe im Stadtraum bis heute eine "hoch emotionale Angelegenheit" sei. So sei es schwer vermittelbar, dass entgegen den heutigen Sehgewohnheiten auch der hoch geschätzte Nürnberger Burgsandstein vielfach farbig überfasst worden sei - was er mit vielfältigen Befunden für gemalte Steinoberflächen und Quaderungen auf Steinfassaden belegte. Weiterhin stellte er Fachwerkfassungen vor und erinnerte an die nur noch durch historische Bildquellen überlieferten Illusionsmalereien an Nürnberger Fassaden von Albrecht Dürer und anderen Malern.
Über "Farbe am Holzbau" der Zentralschweiz berichtete Benno Furrer (Zug, CH). Im Berner Oberland entwickelte sich an Blockbauten von Ratsherren und reichen Bauern seit dem 17. Jahrhundert ein "Standardrepertoire" von Schnitz- und Farbdekoration, während sich in Appenzell ab der Mitte des 19. Jahrhunderts großflächige Bemalungen von Scheunen in rot, ocker, beige oder gelb im Kontrast zu grauen Wohnhausfassaden verbreiteten. Neben allgemeinem Repräsentationsbedürfnis und Zierfreude sah Furrer auch Kommunikation und konfessionelle Abgrenzung als Ursachen für die Farbigkeit der Holzbauten.
Sehr stark in die Einzelbefunde ging der Vortrag von Stefan Uhl (Warthausen) und Cornelia Marinowitz (Winterthur, CH) zu "monochrome(n) und farbige(n) Fassungen in Stuben des 14.-18. Jahrhunderts im südlichen Oberschwaben". Uhl stellte die baulichen Strukturen der untersuchten Bohlenstuben des 14. und 15. Jahrhunderts aus Ravensburg (u.a. Humpisquartier ab 1375 d) und Leutkirch ("gotisches Haus") vor, während Marinowitz die Farbbefunde im Einzelnen thematisierte. Besonders gründlich untersucht wurden die immer wieder angetroffenen Schwarzfassungen auf Bohlenwänden und -decken, die durch Bindemittelanalysen zweifelsfrei als Anstriche und nicht etwa verrußte oder nachgedunkelte Oberflächen identifiziert werden konnten. Dabei sind Braunfassungen (Kasseler Braun) und so genannte Bisterfassungen (von frz. bistre / bistré = rußschwarz / nussbraun), proteingebundene Rußlasuren oder Beizen aus aufgekochtem Glanzruß, zu unterscheiden. Als Bindemittel konnten Leim sowie Tempera und Öl nachgewiesen werden. In der Neuzeit sind schließlich neben den weiterhin weit verbreiteten Schwarzfassungen auch teure Grünfassungen in oberschichtigen Bauten belegbar (Malachit, "Schweinfurter Grün", letzteres wegen seiner hohen Giftigkeit schon 1887 verboten).
In der Diskussion, die aus Zeitgründen erst am folgenden Tag stattfinden konnte, standen die schwarzen und grünen Farbfassungen im Mittelpunkt. Dabei hielt Restaurator Holger Wilcke (Heideck) ein leidenschaftliches Plädoyer für das "finstere Mittelalter" in Form der für heutige Betrachter schwer vorstellbaren Schwarzfassungen in Stuben, aber auch an Dachstuhlhölzern, die er mittlerweile in knapp 60 Fällen durch Bindemittelanalyse nachweisen kann (aktuelle Liste im Internet unter www.holger-wilcke.de/schwarzfassungen.html). Vergleichbare Befunde liegen auch aus der Schweiz, Sachsen und Sachsen-Anhalt vor.
Zu den "Pionieren", die Farbbefunde an pro¬fanen Bürgerhäusern schon seit den 1970er Jahren systematisch untersuchen, gehört das aus einer studentischen Arbeitsgruppe hervorgegangene "Freie Institut für Bauforschung und Dokumentation" (IBD) in Marburg. Als Auftakt der Sektion "Spätes Mittelalter / Frühe Neuzeit" präsentierte Ulrich Klein (Marburg) einen kompakten Überblick über "Farbiges Fachwerk in Hessen". Durch eine konsequent stratigraphische Befunderhebung konnte für hessische Städte eine gesicherte Chronologie der Fachwerkfarbigkeit aufgestellt werden, die von ungefassten, manchmal strukturierten Kalkputzen im 15. Jahrhundert über schwarze Fachwerkaufmalungen mit Begleitlinien (ab etwa 1520) und Rotfassungen (ab 1570) neben gelegentlichen ockergelben Bemalungen schließlich zu Graufassungen im 17. Jahrhundert führt. Ähnliche Befunde konnte Edgar Hartmann (Marktheidenfeld) für die unterfränkische Stadt Karlstadt am Main vorstellen, deren farbige Fachwerkbemalungen vornehmlich des 16. Jahrhunderts durch aufgemalte "schwarze Blumen", Wappen und z.T. datierende Inschriften in den Gefachen bereichert sind.
Als bedeutenden Einzelbefund hatte zuvor Birgit Kata (Kempten) das frühere Beginenhaus in Kempten/Allgäu vorgestellt, einen Massivbau von 1357 d, der seit dem 15. Jahrhundert als patrizischer Wohnsitz diente und 1584 eine anspruchsvolle Neuausstattung der Spätrenaissance mit Kassettendecken, grünen Bodenfliesen und reichen Malereien erhielt.
Archivalische Funde zu Farbmaterialien aus Baurechnungen und Kostenanschlägen des 15. bis 18. Jahrhunderts hat Robert Giersch (Offenhausen) gesammelt. Wie im erhaltenen Baubestand sind rote und gelbe Ockererden als Massenprodukte am häufigsten nachweisbar; sie stammen aus Farbgruben etwa bei Nürnberg ("Nürnberger Rot") oder Schwandorf. Andere Pigmente wie Kienruß, Mennige, Silberglätte oder Bleiweiß erscheinen dagegen seltener in den Rechnungen, die darüber hinaus vielfältige Auskünfte zu Malern, Tünchern oder Farbhändlern enthalten.
Claus Giersch (Fürth) präsentierte seltene Fladertapetenfunde der Zeit nach 1560 aus dem Haus Seegasse 8 in Bad Windsheim (vgl. den Vorbericht von Konrad Bedal in AHF-Mitt. 72, 2008), die am folgenden Tag auch besichtigt werden konnten. Als Produzenten der Drucke kommen Nürnberger Briefmaler und Fladerpapierhersteller in Frage; als Vorlage für die perspektivische Architekturdarstellung konnte ein Stich im "Intarsienbuch" von Erasmus Loy (Regensburg, 1520-1570) nachgewiesen werden.
Der folgende Vortrag von Peter Barthold (Münster) erlaubte einen vergleichenden "Blick über den Tellerrand" nach Rheine in Westfalen, wo im 1579/80 (d) datierten Hinterhaus eines nachweislich seit 1780, aber vermutlich schon früher als Herberge genutzten Bürgerhauses diverse frühe Innenraumfassungen, u.a. mit gemalten Intarsien und Maserierung, entdeckt wurden. Scheibenförmige Abdrücke von ehemals aufgeklebten Papieren an einer Decke lassen an ähnliche gedruckte Medaillons denken, wie sie auch in Bad Windsheim gefunden wurden.
Die folgende Sektion "Vorindustrielle Zeit (17.-Mitte 19. Jahrhundert)" eröffnete Ariane Weidlich (Glentleiten) mit einer kritischen Sichtung der bekannten und mit allen denkbaren Oberbayern-Klischees behafteten "Lüftlmalereien" des späten 18. Jahrhunderts im bayerischen Voralpenland. Als Auftraggeber dieser spätbarocken Fassadenmalereien, die von Kirchenmalern nicht selten in einer Mischtechnik aus Fresko- und Seccomalerei ausgeführt wurden, lassen sich wohlhabende Verleger in Handelsorten wie Mittenwald, Ober- und Unterammergau oder Reit im Winkl ausmachen, doch wurden auch große Bauernhöfe oder einfache Handwerkerhäuser bemalt. Durch fortwährende Überarbeitung ohne restauratorische Begleitung bis in jüngste Zeit ist eine Beurteilung vieler Malereien problematisch.
Thomas Wenderoth (München) stellte Befunde für "monochrome Fachwerkfassungen des 18. Jahrhunderts in Mittelfranken" vor. Neben den überregional verbreiteten Beispielen, die seit dem 18. Jahrhundert unter dem Einfluss des Barock und Klassizismus entstanden, überraschte er mit frühen Befunden für flächig verputzte und monochrom weiß gestrichene Innenräume mit Stuckdecken im "Alten Schloss" in Neustadt/ Aisch von 1602. Dirk Knüpfer (Halle/ Saale) prä¬sentierte die vielfältigen Putzoberflächen und Farbbefunde am Jagdschlösschen aus Eyerlohe von 1778 und dem Korbhaus aus Knittelsbach von 1821 im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Vielfältige Farbbefunde im Innern eines äußerlich schlichten Fachwerkhauses in Stetten, Gänseteich 3, zeigte Ingrid Winklmann, darunter rote Fachwerkbemalungen mit Inschriften, floralen Mustern und der Datierung "1751". Die unterschiedlich aufwendige Gestaltung der Malereien erlaubt Rückschlüsse auf die Hierarchie und Nutzung der Räume des Gebäudes, das mutmaßlich als Wirtshaus diente.
Einen Ausblick nach Norden ermöglichte dann Beat Sigrist (Münster), der Fugenmalereien auf Backsteinmauerwerk aus Westfalen vorstellte. Neben der 1222 geweihten Klosterkirche Marienfeld bei Gütersloh als singulärem Beispiel aus dem Hochmittelalter zeigte er datierte Befunde für rot überschlämmtes Backsteinmauerwerk mit weißer, z.T. ornamental bereicherter Fugenmalerei an Massiv- und Fachwerkbauten zwischen 1450/86 (d, Werne a.d. Lippe) und 1651 (Lippstadt-Overhagen, Schlosskapelle) mit einem Schwerpunkt im 16. Jahrhundert (z.B. am Schloss Oesterholz, Kr. Lippe, 1597-99).
Die letzte Sektion "19./20. Jahrhundert" (28. Juni) war mit sieben Vorträgen gut bestückt: Christiane Meier (Hamburg) berichtete über "Biographien, Nachlässe und Raumgestaltungen" von drei "Dekorations- und Stubenmalern" des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus Niedersachsen. Eine restauratorische Reihenuntersuchung von zehn Wohnhäusern aus der Zeit zwischen 1820 und 1905 konnte Marlies Genßler (Sternebeck/Brandenburg) in dem Dorf Horno in der Niederlausitz durchführen, das inzwischen für den Braun¬kohlentagebau devastiert worden ist. Sie fand eine große Vielfalt an farbigen Scha¬blonenmalereien und Gummirollenmustern des 19. und 20. Jahrhunderts, die chronologisch und statistisch ausgewertet wurden.
Kerstin Klein (Hannover) zeigte die überaus aufwendige und vollständig erhaltene Möbel- und Raumausstattung (einschließlich Tapeten und Textilien) eines herrschaftlichen Wohnhauses von 1865 und 1875 auf einem Bauernhof in Jerxheim (Lkr. Helmstedt), der im 19. Jahrhundert durch Zuckerrübenanbau zu Geld gekommen war. Mit repräsentativen Räumen, einer Bibliothek und einem eigenen Museum (!) betätigte sich der Bauer als bürgerlicher Kunst- und Antiquitätensammler.
Die im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert weit verbreiteten Schablonen und Musterwalzen waren das Thema der der beiden folgenden Vorträge: Silvia Kuch (Köln) stellte einen Bestand von ca. 850 Musterwalzen aus dem Fränkischen Freilandmuseum vor und zeigte die kleingewerbliche Herstellung der Walzen mit einer Pressmaschine. Barbara Rinn (Marburg) präsentierte die statistische Auswertung des Schablonenbestandes eines hessischen Malers der Zeit um 1900 mit über 600 Schablonen, die für z.T. mehrschlägige Muster verwendet wurden.
Dass auch die vom offenen Herfeuer verräucherten Fletträume niederdeutscher Hallenhäuser bunt sein konnten, zeigte Wolfgang Dörfler (Hesedorf/Niedersachsen) am Beispiel aktueller Befunde in einem von der IGB restaurierten Bauernhaus in Ostereistedt (Lkr. Rotenburg /Wümme). Vergleichbare stark farbige Quader- oder Rautenmuster an Herdwänden sind im Elbe-Weser-Raum vielfach nachweisbar.
Zum Abschluss berichtete Georg Waldemer (München), anknüpfend an Ariane Weidlich, über "Lüftlmalereien" im 20. Jahrhundert im südwestlichen Oberbayern, die sich seit ihrer Revitalisierung durch Münchner Künstler im Zuge der Heimatschutzbewegung zu Beginn des Jahrhunderts bis heute einer ungebrochenen Popularität erfreuen.
Zwei Exkursionen zu Fuß ins Fränkische Freilandmuseum und zur "Baugruppe Stadt" bzw. in die Innenstadt von Bad Windsheim sowie die optionale Teilnahmemöglichkeit an der "Museumsnacht" am 28. Juni rundeten das ertragreiche Tagungsprogramm ab. Es bleibt zu hoffen, dass die spannenden Ergebnisse bald in einem Tagungsband publiziert werden, um die Diskussion um die zu Beginn gestellte Forderung nach einer systematischen Dokumentation und Auswertung der vielfältigen Farbuntersuchungen weiter voranzubringen.
Heinrich Stiewe
Bilder in Druckqualität zum Download:
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5
